Gute Bücher

Rommel

Re: Gute Bücher

Beitrag von Rommel » 05 Sep 2013, 18:59

Paladin hat geschrieben:Sehr schön geschrieben, Rommel, genau das ist der Punkt.
Ich wiederhole mich zwar nicht gern, aber wenns denn sein soll: Silman selbst schreibt "Schach aber richtig" ist für Anfänger, deren DWZ unter 1400 liegt. Für hochkarätige Spieler wie dich ist eher "Schach mit neuem Schwung" geeignet, das geht bis DWZ 2000.
Es geht nicht darum, ob das Buch für mich noch anspruchsvoll ist oder nicht. Ich trainiere ja auch viele jüngere Spieler, für die ich immer wieder nach Lehrmaterial suche. Ich bewerte Bücher also schon danach, wie sie für 1400-1700 geeignet sind.

Wenn ich davon schreibe, dass gute Spieler das Buch eher kritisch sehe, dann meint das nichts anderes: Natürlich ist jedem klar, dass ein Anfängerbuch einem 21+ Spieler keine neuen Offenbarungen mehr bietet. Bewertet und kritisiert haben all jene Spieler die Ziele und die Methodik des Buches.
Wenn du jetzt schreibst, gute Spieler finden "Schach aber richtig" nicht so toll, nur ein paar schwächere finden es gut, dann stimmt es doch. "Schach aber richtig" wurde doch für die schwächeren Spieler geschrieben. Diese sollten es auch gut finden, und sie tun es. Dass ein Ass wie du - mit einer Wertzahl von 2000 nicht viel damit anfängt, das ist nur folgerichtig.
Auch das hast du falsch verstanden. Es ging mir darum, dass das Buch zwar unterhält, gleichzeitig aber auch einlullt und keinen wirklichen Erkenntnisgewinn bringt. Schwächere Spieler finden das toll, erreichen gleichzeit aber bei viel aufgewendeter Zeit keinen Erkenntnisgewinn. Der Grund ist, dass Silman nicht besonders viel dafür tut, die Spieler aus ihrer Komfortzone zu holen, sondern sie dort ganz kuschelig umgarnt.
Im Übrigen würdige ich kein Buch herunter, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass Anfänger wie ich mit Büchern, die von Grossmeistern geschrieben und empfohlen werden, wenig bis nichts anfangen können. Wenigstens ging es mir so. Es fehlen die fundamentalen Grundlagen, die von Grossmeisten in ihren Büchern nur zu oft als selbstverständlich vorausgesetzt und deshalb mit keinem Wort erwähnt werden. Und dieser "Mangel" macht die Bücher für Anfänger ungeeignet als Unterrichtsmaterial.
Ich nutze Karpow/Mazukewitsch als Unterrichtsmaterial, auch wenn ich es selbst didaktisch teilweise ein wenig aufarbeite. Die Inhalte sind aber ausgezeichnet. Ich kann mich erinnern, dass ich mit ähnlich anspruchsvollen Büchern selbst Schach gelernt habe.
Im übrigen würde ich empfehlen, dass du die Bücher erst mal durcharbeitest, bevor du sie beurteilst. Ein Buch als minderwertig hinzustellen, obwohl man offen zugibt, es gar nicht zu kennen, das ist in meinen Augen zwar sehr ehrlich, aber es macht das Urteil wertlos.
Ich kann mir im Jahr nicht 20 Schachbücher kaufen, vor allem, wenn sie gar nicht lohnenswert sind. Da verlasse ich mich gern auf das Urteil anderer Spieler. Natürlich heißt das auch, dass ich bei der eigentlichen Buchbesprechung nur deren Urteil wiedergeben kann.
Am Rand bemerkt, wenn es um konkrete Zugfolgen geht, arbeite ich überhaupt nicht mit Büchern, da verwende ich mein Fritz-Programm.
... um was zu tun oder wie zu lernen? Für das Erlernen ordentlicher Rechentechnik - vor allem auch in strategisch anspruchsvollen Stellungen - sind Computerprogramme eher ein Hindernis.

Kein geringeres Hindernis ist das Erlernen zu stumpfer Regeln, wie es bei Silman der Fall zu sein scheint (ich sage "scheint", weil ich es wie gesagt nicht gelesen habe. Nur schlägt in dem Falle das Pendel in die andere Richtung aus.

Gast

Re: Gute Bücher

Beitrag von Gast » 05 Sep 2013, 20:55

Nun, ab morgen abend bin ich in einem echten Turnier. Das Ergebnis desselben wird zeigen, ob ich dazugelernt habe, oder nicht. Habe ich dazugelernt, dann bin ich gerne damit zufrieden, dass wir mehr oder weniger in allen Punkten gegensätzlicher Meinung zu sein scheinen.
Ich denke, nach mehr als 10-jähriger Suche kann ich schon ganz gut beurteilen, welches Buch mir etwas gebracht hat und welches nicht. Lassen wir es dabei. Ich komme hierher, um Schach zu spielen und zu lernen, nicht aber, um Streitgespräche mit einem Trainer zu führen.Wie sagt man so schön im Schwabenland: "Du hast recht - ich meine Ruhe".

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